Gian Paul Lozza – Somnium

4. September bis 24. Oktober 2014

Die Werke aus Gian Paul Lozzas «Somnium»-Serie spielen gezielt mit dem kulturellen Reservoir der Betrachter – mit dem Bilder- und Geschichtenspeicher, der sich in der popkulturellen Welt herausgebildet hat. «Die Reise geht in die Tiefe der menschlichen Psyche», sagt Gian Paul Lozza. «Dort ist es dunkel und melancholisch. Der Betrachter ist sich selbst ausgeliefert. Der Film der inneren Bilder nimmt ihn gefangen und bewegt ihn in unbekannte Ecken seines Bewusstseins.». 

Lozza nennt seine Landschaftsaufnahmen denn auch «Metascapes» – und liefert damit einen zusätzlichen Hinweis auf ein kulturgeschichtliches Bezugssystem, etwa auf die Landschaftsmalerei des 19. Jahrhunderts. Er fotografiert ausschliesslich in der Nacht, um die strukturellen Bildgegenstände zu fokussieren. Darum bleibt die Wirkung der Farben blass und es stellt sich eine malerische Unschärfe ein. Hier entstehen Assoziationen zu den grandiosen, nahezu abstrakten Abendbildern des Romantikers William Turner, dessen Auseinandersetzung mit Landschaft unsere Vorstellung von Naturerlebnis nachhaltig verändert hat. Um Wahrnehmungsveränderungen geht es auch in den Bildwelten von Lozza: die menschenleeren Landschaften kokettieren zwar mit dem Schönheitsbegriff, sie fordern aber vehement eine Auseinandersetzung mit den Wirklichkeiten – den unmittelbar existierenden wie den fotografischen und kulturellen Realitäten.

 

Christoph Doswald, Kunstkritiker und Kurator

 

Ausstellungskatalog 8.1 MB ›

 

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